Italien? Nein, Paraguay!
Paraguays Image ist nicht besonders gut. Korruption, schlechte Wirtschaftslage, fehlende Perspektiven für Jugendliche. Die Probleme stapeln sich. Doch es gibt einen Bereich, in dem der südamerikanische Binnenstaat durchaus einen Aufschwung zu verbuchen hat. Die Rede ist vom Fußball, dem Exportschlager des Landes. Ganz Paraguay scheint dem Fußballwahn erlegen zu sein.
Schon die Kleinen träumen von der großen Karriere. Am liebsten in Europa. Mit dem nötigen Talent nach den Sternen greifen und für immer aussorgen, wie es Roque Santa Cruz gemacht hat, einer der Top-Stürmer der Albirrojas. So sieht er aus, der paraguayische Traum. In der Realität, ja, da sieht alles ein bisschen anders aus. Nüchtern betrachtet, schafft es kaum ein Aspirant nach Europa.
Hohe Arbeitslosenzahlen und Perspektivlosigkeit treiben die Jugend dennoch an, sogar so stark, dass sie für ihre Vision die Schule abbrechen. Eine beunruhigende Entwicklung, der Paraguay gegenüber steht. Ein Ansatz sind die so genannten “Escolas de Fútbol” – Fußballschulen, die garantieren sollen, dass die Kinder weiterhin neben ihrer Leidenschaft zur Schule gehen. Die Zukunft wird zeigen, ob das Konzept Erfolg hat.
Fakt ist, dass die paraguayische Nationalmannschaft an Stärke gewonnen hat. Beim Auftaktspiel gegen Italien ließen sie den Titelverteidiger ziemlich arm aussehen. Dass sich selbst erfahrene Sportjournalisten täuschen können, hat Paraguay bewiesen. Die Mannschaft präsentierte sich selbstbewusst. Auf der einen Seite die Sturmfront mit Roque Santa Cruz und Lucas Barrios. Auf der anderen der erfahrene Torwart Justo Villar. Hätte er im entscheidenden Moment die Nerven behalten, hätte Paraguay womöglich gewonnen. Auch wenn Paraguay nach dem Spiel gegen Italien noch immer nicht zu den Favoriten der WM gezählt wird, so haben sie doch gezeigt, dass ihr Land mehr zu bieten hat als negative Schlagzeilen. Mal sehen, was Barrios und Co im nächsten Spiel gegen die Slowakei zu Stande bringen.


